GOTT WEINT

Der Bibel fehlt eindeutig Alice Schwarzer.

Die Frauen! Welch wunderbare Geschöpfe ohne die man sich diese Welt gar nicht vorstellen will. Der Mensch möchte Paare bilden. Der Mensch will nicht alleine bleiben und dass soll er ja auch laut Moses nicht. Gott schuf nach Lillith die Eva für Adam. Waren die beiden eigentlich verheiratet? Man könnte das Argument zählen lassen, dass sie es waren, schon alleine aufgrund dessen, dass Gott sie selbst zusammenfügte. Damit war der Bund geschlossen. Hier gibt es dann allerdings auch die Erkenntnis, dass Adam, nachdem er Eva zur Frau bekam, bereits geschieden wurde. Von Lilith. Die erste uns bekannte und von der Kirche so akzeptierte Ehe war somit die von Eva und Adam. Einem geschiedenen Mann. Das allerdings verschweigt uns die Kirche.

Meiner Meinung nach hat Gott bei der Erschaffung der Frau sich besonders viel Mühe gegeben. Warum gibt es heute mehr schöne Frauen, als es schöne Männer gibt? Damit sie den Männern gefallen! Die Kirche stellt die Frau oft als die Verführerin in den Mittelpunkt der Sünde. Nicht nur die christliche Kirche. Aber unterstellt sie dem Herrn damit nicht auch wieder einen Fehler? Immerhin hat er sie geschaffen für den Mann. Warum hat er sie also so hübsch gemacht? Damit der Mann sich an ihrem Anblick erfreuen kann. Ein schönes Bild an die Wand zu hängen, macht keinen Sinn, wenn man es verhüllt. Man will es sehen und das möglichst oft, weil es Freude bringt. Und die Frau? Welche Freude gönnte Moses der Frau? Im Grunde nur die Freude als Gebärmaschine (bei Moses Aufzählung der Stammbäume kann man es nicht anders nennen) und Sklavin dem Manne zu dienen. Immerhin ließ Moses sie als Untertan Adams erschaffen, bzw. erzählt uns, dass Gott dieses tat. Wie sich dass Jahrhunderte später mit der christlichen Aussage: „Vor Gott ist jeder Mensch gleich“ decken soll ist einfach zu erklären: Vor Gott ist jeder Mensch gleich, aber die Kirche und auch Moses ist nicht Gott, von daher darf man dass hier auf Erden auch gerne mal anders sehen.

Wie viel die Frau also im alten Testament wert ist, erfahren wir durch die Aussage Abrahams, der Angst vor den Ägyptern hatte, dass sie ihn totschlagen, damit sie sich seine schöne Frau Sara nehmen könnten. Er befahl seiner Frau

(1. Moses 12,13):

„Sag deshalb, du seist meine Schwester, dann werden sie mich am Leben lassen“.

War das Betrug? War der gute Abraham also ein Betrüger? Man könnte ein Auge zudrücken, weil man berücksichtigen würde, dass er dies aus Angst um sein Leben tat. Diese Lüge wurde dann allerdings zum Betrug, als Abraham vom Pharao Rinder, Esel, Kamele, Sklaven und Sklavinnen annahm. Denn heute, wie damals ist Betrug damit zu erklären dass man sich in Absicht, sich oder einem Dritten einen rechtswidrigen Vermögensvorteil verschafft, das Vermögen eines anderen dadurch beschädigt, dass er durch Vorspiegelung falscher oder durch Entstellung oder Unterdrückung wahrer Tatsachen einen Irrtum erregt oder unterhält. Somit ist Abraham als Betrüger anzusehen. Aber bestraft ihn Gott? Nein, Gott bestrafte den Pharao, indem er ihm eine schwere Krankheit auferlegt. Aber warum? Was hatte der Pharao denn falsch gemacht? Er nahm sich Sara zur Frau, aber völlig legal, denn für ihn war sie frei. Woher sollte er denn wissen, dass es sich um die Frau Abrahams handelte? Dieser hat ihn doch belogen und betrogen? Moses erzählt uns hier also wieder etwas über einen ungerechten Gott, der den Betrüger nicht bestraft, sondern das Opfer. Abraham wurde sogar noch belohnt, indem er seinen Reichtum mitnehmen konnte. Aufgrund seines Betruges, erzählt uns Moses

(1. Moses 13, 4,2):

„Abraham war sehr reich. Er besaß große Viehherden sowie Silber und Gold“.

Klar, der Betrug hat sich gelohnt, da der Pharao ihn ja reich beschenkte.
Zu welchem Preis gelangte Abraham also zu so viel Reichtum? Indem er sich die Schönheit seiner Frau Sara zunutze machte und ihr befahl sich herzugeben. Wir stellen schnell fest, dass Abrahm sich nicht nur des Betruges schuldig gemacht hatte sondern auch der Zuhälterei, indem er Sara zur Prostitution drängte. Und die Entlohnung des Pharaos als Freier kennen wir ja bereits. Dieses war allerdings völlig legal, denn die Ehre des Mannes galt einfach mehr. Die Ehre der Frau gab es nur bedingt. In Abrahams Fall bekam Sara keine Ehre zugewiesen. Auch Abrahams Neffe ging nicht anders mit der Frau um. Lot interessierte die Frau recht wenig, so bot er dem Volk von Sodom auch an:

(1. Moses 19,8)

„Ich habe zwei Töchter, die noch kein Mann berührt hat. Ich will sie euch geben. Macht mit ihnen was euch gefällt.“

Diesen Handel bot er an, weil sich Fremde Männer in seinem Haus befanden, mit denen die Männer des Volkes in Sodom schlafen wollten. Lot aber stellte sie unter seinem Schutz. Diese Fremden in seinem Haus bedeuteten ihm mehr als seine beiden jungfräulichen Töchter. Das es sich hierbei um zwei von Gott gesandte Männer handelte, die den Befehl hatten Sodom zu vernichten, erfuhr Lot aber erst nachdem er dem Volk seine Töchter hingeben wollte. Von daher konnte man ihm den himmlischen Gedanken, den Dienst an Gott hier nicht zusprechen. Wollte sich Lot eventuell selbst mit den beiden Männern vergnügen?
Auch die Leihmutterschaft war im ersten Buch Moses ein Thema und durchaus geduldet. Sara, die ihrem Mann Abraham keine Kinder gebären konnte schlug ihm vor

(1 Moses 16,2):

„Du siehst, der Herr hat mir keine Kinder geschenkt. Aber vielleicht kann ich durch meine Sklavin zu einem Sohn kommen. Ich überlasse sie dir.“

Nachdem Abraham seine Frau also bereits einmal einem anderen Mann hergab, gab nun Sara eine andere Frau ihrem Mann hin. Sara war, nachdem ihr Mann die Sklavin Hagar schwängerte erbost und behandelte Hagar wie man eine Sklavin behandelte. Hagar lief ihnen davon. Man braucht nicht lange warten bis Moses endlich den Herrn auf den Plan ruft. Als Leser will man erfahren, was denn nun Gott von diese sexuellen Moralvorstellungen hält. Als Hagar in der Wüste an einem Brunnen halt macht, schickte der Herr ihr einen Engel. Und dort bekommen wir wieder zu lesen, was Moses uns über Gott erzählen will. Wir sollen also wieder mal glauben, dass Gott der Sklaverei durchaus nicht widersprach. Der Engel sprach zu Hagar

(1. Moses 16,9):

„Geh zu deiner Herrin und ordne dich unter.“

Der Christ von heute fragt sich an diesem Punkt wieder: Sind also doch nicht alle Menschen vor Gott gleich? Wenn es erlaubt ist sich Sklaven zu halten, dann hatte die Kirche auch die Rechtfertigung für die Sklaverei, als sie Jahrhunderte später ihre blutigen Raubzüge auf anderen Kontinenten durchführte.
Was Sara betrifft so ist es schon interessant, dass Gott mit Jesus nicht das erste Kind ankündigte. Er kündigte bereits Abraham an, dass seine Frau ein Kind bekommen wird (

1. Moses 18,10 & 18,14):

„Nächstes Jahr um diese Zeit komme ich wieder zu dir, dann wird deine Frau einen Sohn haben“.

Ja richtig, die Sara, die ihrem Mann zuvor keine Kinder zeugen konnte, machte der Herr nun doch fruchtbar! Warum er dieses nicht schon lange vorher tat und es erst zuließ, dass eine Sklavin die Leihmutterschaft übernehmen musste verrät uns der Herr nicht. Nein, besser wäre es zu sagen, dass Moses es uns nicht erzählt. Wahrscheinlich weil er sich bis dahin so in Rage geredet hatte, dass ihm selbst solche Fragen nicht gestellt werden oder er sie nicht weiter beachtet, weil das Nachdenken über eine Antwort zu viel Zeit in Anspruch nehmen würde.
Nachdem wir nun eine Menge von dem guten Abraham erfahren haben, dass er also den Pharao anlog und betrog, sich unrechtmäßig Reichtum durch ihn verschaffte, seine Frau hergab, und als verheirateter Mann Beischlaf mit einer Sklavin hatte, mit der er schließlich einen Sohn zeugte, müsste dem Christ klar sein, dass der gute Abraham es nicht so ernst nahm mit Moralvorstellungen. Allerdings ist Moral auch meist eine Frage der Zeit. Was also damals den üblichen Moralvorstellungen entsprach und durchaus legitim war, muss heute nicht auch so sein. Dennoch bleibt Betrug immer Betrug. Betrug den Gott nicht strafte, Unrechtmäßiger Reichtum den Gott nicht verurteilte. Gott, der recht schaffende und gerechte Gott, der das Opfer bestraft und den Täter ziehen lässt. Und das was Abraham damals tat, war Betrug. Daran sollte man sich als Christ erinnern, wenn Lukas einige Jahrhunderte später sagt

(Lk.16,22):

„Als nun der Arme starb, wurde er von den Engeln in Abrahams Schoß getragen“.

In der „Gute Nachrichten Bibel“ der Deutschen Bibelgesellschaft heißt es:

„.......er erhielt den Ehrenplatz an der Seite Abrahams“.

Die Vorstellung an einem Ehrenplatz neben dem Abraham den wir bis dahin kennengelernt haben klingt irgendwie widersprüchlich. Der Platz neben einem Betrüger und Ehebrecher ist also ein Ehrenplatz. In der Tat, mein lieber Moses, du erwartest eine Menge Glauben an einen Gott, so wie du ihn siehst oder sehen willst oder uns präsentierst, wie es dir recht ist. Wie Moses seine Geschichten wohl vor Gott am Tag seines Gerichtes gerechtfertigt hat und sich zu verteidigen versuchte würde mich doch sehr interessieren. Aber das gehört wohl in die Abteilung: „Wir werden es nie erfahren.“

17.8.13 13:20

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