GOTT WEINT

Von starken Frauen und Angsthasen.

Eine der umstrittensten Figuren der Bibel ist Maria Magdalena. Es war nicht zuletzt Dan Brown, der mit seinem Film „Der Da Vinci Code“ Maria Magdalena zum Thema machte. Im Film erfahren wir das sie mit Jesus verheiratet gewesen sein soll. Sie soll auch die feminine Figur neben Jesus auf dem Bild „Das Abendmahl“ von da Vinci sein. Überhaupt ist dem Bild von Da Vinci so viel Aufmerksamkeit zugesprochen worden, als säße der Maler vor dem Tisch und gibt uns heute einen Augenzeugenbericht damit ab. Nicht zuletzt der Hinweis darauf, dass sich kein Kelch auf dem Tisch befindet und auch keiner der Jünger, einschließlich Jesus einen solchen in der Hand halten würde. Damit widerlegt der Film, die bis dahin übliche Auslegung nach dem heiligen Gral. Es war also kein Kelch. Es soll viel mehr der Schoß einer Frau sein. Und wer andere könnte diesen Schoß haben, als Maria Magdalena? Im Grunde erzählt uns der Film, nichts Neues als die bis dahin weit verbreitete Theorie, dass Maria Magdalena nicht nur mit Jesus verheiratet gewesen sein soll, sondern ihm auch ein Kind gebar. Das sie zumindest sexuelle Handlungen mit ihrem Herrn Jeus vollzog, glaubte im 16. Jahrhundert unter anderem auch Martin Luther. Unbestritten war sie die führende weibliche Anhängerin Jesu. Sehr zum Missfallen der Kirchen, die damit eine Frau in einen weit erhobenen Stand hätten wählen müssen, ähnlich wie Jesus es tat. Aber man berief sich dann doch lieber auf das Alte Testament, wonach die Frau lediglich als Dienstmädchen und Gebärmaschine zu betrachten sei und sich dem Manne zu unterwerfen habe. Also ließ die Kirche kurzerhand, aus Maria Magdalena eine Prostituierte machen. Als eines der wichtigsten Argumente, zählte die Kirche auf, dass sie als Frau mit all den Jüngern umherzog. Beleidigend, wenn man annehmen soll, sie sei mit den Jüngern ins Bett gegangen und habe dafür Geld genommen, oder aber habe als Prostituierte für den Lebensunterhalt der Jünger gesorgt. Fragt sich die Kirche da nicht ernsthaft, ob Jesus dieses geduldet hätte? Anscheinend nicht! Wenn wir dem Evangelist Johannes Glauben schenken wollen, dann erfahren wir dort, dass Maria eine der wenigen Anwesenden waren, als Jesus gekreuzigt wurde. Die übrigen Evangelisten ließen Maria nur aus der Ferne, der Kreuzigung beiwohnen. Wenn dem also so gewesen war, wie Johannes es uns erzählt, müsste die Kirche zugeben, dass die männlichen Jünger Jesu, sich allesamt verkrochen haben und irgendwo aus Angst bibberte, man könne sie entdecken und ebenfalls töten. Der einzige Mensch, der treu Jesus bis zum Kreuz folgte, war die mutige Maria Magdalena. Ein jämmerliches Ergebnis für den Mann. Ebenso ist festzustellen, dass die Bibel uns ja davon berichtet, dass sie es war, der Jesus sich als erster nach der Auferstehung zeigte und zu seinen Jüngern beorderte um ihnen die Botschaft zu übermitteln. Wie also hat es die christliche katholische Kirche geschafft, diese wichtige Frau klein zu halten, aus Angst davor, Frauen könnten sich ins Priesteramt drängen. Eine undenkbare und Angst einflößende Vorstellung war es, Frauen könnten sich sogar in die von Männern beherrschbare Welt der Kardinäle und Bischofsämter drängen. Der Kirche kommt da ein Jude gerade recht. Mose behauptet in seinem dritten Buch im Kapitel 21 dass ein Priester rein und heilig sein müsse um Opfergaben darbringen zu können. Eine Frau ist jedoch nicht rein. Wenn man sich jetzt fragt, warum sie das nicht sei, dann spielt Moses hier eine Karte aus, die so absurd, wie lächerlich ist. Er nennt die Unreinheit und meint die Menstruation. Der Kirche erscheint dieses Argument jedoch nicht lächerlich genug, daher greifen sie auf dieses alte Moses – Gesetzt zurück. Wir dürfen nicht vergessen, dass es sich hierbei um ein jüdischen Gesetz handelt. Theologen argumentieren damit, dass Jesus ja nun auch ein Jude sei. Aber bedienen sich dann doch gerne dem überflüssigen Paulus, der haufenweise jüdische Gesetze aushebelt und so dem Christentum Platz macht. Wenn man also so argumentiert, dass Jesus ja auch Jude war, dann müssten sich alle Theologen und Christen beschneiden lassen und konvertieren zum Judentum und die Tora lesen. Das aber ist dann doch zu viel und da hält man sich dann doch lieber an den Saulus-Paulus und seinem Sonnenstich, auf dem Weg nach Damaskus. Man bedient sich einfach der Bibelstellen, so wie es gerade passt, aber niemals aus dem Kontext selbst, weil man dann in Widersprüche verwickelt wird, auf die man keine Antwort findet. Das Argument, dass Jesus in keiner der Schriften irgendwann einmal die Frau niedriger gestellt hätte, zählt hier nicht.

Wir werden wahrscheinlich nie erfahren, ob Maria Magdalena mit Jesus ein Kind zeugte, sexuelle Handlungen vollzog oder gar verheiratet war. Selbst wenn wir heute Schriften finden würden, die dieses bestätigten würden, sie mit absoluter Sicherheit als Fälschungen deklariert werden. Die Kirche wird also nach wie vor ihre Argumente nicht widerrufen brauchen, Frauen seien aufgrund ihrer Unreinheit nicht für das Priester-, Bischofs-, Kardinals- oder gar Papstamt geeignet.

Was allerdings Maria Magdalena´s Dasein zu einem weit verbreiteten Gerücht veranlasst, wird im Buch „Der heilige Gral und seien Erben“ erläutert. Die Theorie der Kreuzigung. Diese könnte durchaus nur inszeniert gewesen sein indem man Jesus Drogen verabreichte, die den Außenstehenden erkennen lassen sollen, er sei Tod. Ein Argument dafür war, dass man seine Beine nicht brach. Den Lanzenstich gab es auch nur bei Johannes und auch die Wachen die Pontius Pilatus vor das Grab stellte, finden wir nur bei einem Evangelist. Denkbar wäre diese Sache schon. Zumindest würde es erklären, warum Maria Magdalena und viele der Jünger Jesus nach der Auferstehung nicht wieder erkannten. Jesus war bis dahin schön weit weg und wurde durch einen Anderen ersetzt. Maria wäre ihm später gefolgt und sie lebten in einem anderen Land, glücklich bis zum Lebensende. Der Stoff für einen äußerst spannenden Krimi. Als Christ ist diese Vorstellung absolut undenkbar und keiner Diskussion wert. Für den gläubigen Menschen der nicht den Glauben irgendeiner Kirche annehmen will, sondern alles was sich mit Gott und Jesus befasst sollte man sich reichlich informieren um am Ende sagen zu können, das der Glaube mein Glaube ist und ich in ihm gewachsen bin, ohne das mir eine Kirche zu sagen hat, was ich wie glauben soll.

Dank der Funde in Nag-Hammadi wissen wir durch das Evangelium der Maria Magdalena, des Thomas und des Phillipus, dass Maria nicht die einzige Frau war, die Jesus folgte sondern dass noch Einige mehr waren.

6.9.13 17:08

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